Ein Istanbul Städtetrip mit Hund?

Rubi & Sam erkunden mit uns Istanbul

Rubi vor der Hagia Sophia in Istanbul, Türkei

Wir haben im September & Oktober 2022 einen vierwöchigen Roadtrip mit dem Campervan durch die Türkei gemacht. Immer mit dabei unsere beiden Hunde.

Vorab waren wir echt unsicher, ob wir den beiden eine Stadttour durch eine so chaotische Metropole wie Istanbul zutrauen können. Städtetouren kannten beide zwar schon und machen beide auch gerne, da sie sehr lauffreudig sind und wir in der Regel alles zu Fuß erkunden, aber weder Edinburgh noch Podgorica lassen sich wohl mit Istanbul vergleichen. Also haben wir uns dafür entschieden, den einzigen Wohnmobilstellplatz in ganz Istanbul anzufahren, und es einfach mal zu versuchen. Weiterfahren kann man ja immer noch.

Wohnmobilstellplatz in Istanbul

Wohnmobilstellplatz in Istanbul

Für das Wochenende, an welchem wir Istanbul besucht haben, waren ca. 22° und Sonne gemeldet. Typische Temperaturen für Ende September in Istanbul. Der Wohnmobilstellplatz liegt sehr nah am Zentrum, was auch bedeutet, dass wir mit dem Campervan durch den chaotischen Verkehr bis ins Zentrum mussten. Da Sebastian aber ein sehr sicherer Fahrer ist, war das kein Problem. Vorausschauend und sicher fahren ist die Devise. Vor allem immer ein Auge auf all die Roller haben, die von allen Seiten kommen.

Angekommen auf dem Stellplatz standen dort schon zahlreiche andere Campervans und Wohnmobile, jedes mit einem Kennzeichen aus einem anderen Land, viele ebenfalls mit Hunden. Traurigerweise müssten wir am nächsten Morgen nur feststellen, dass manche Besitzer unterwegs waren und ihre Hunde im Auto haben warten lassen. Das war für uns definitiv keine Option, schon gar nicht bei dem Wetter.

Straßenkatzen in Istanbul

Auf dem Stellplatz sind wir gleich mit der ersten Aufgabe konfrontiert worden: nämlich Katzen. In Istanbul, eigentlich in der ganzen Türkei, wimmelt es von Straßenkatzen. Da muss man immer ein Auge drauf haben, zumindest, wenn man Hunde hat, die darauf reagieren, wenn plötzlich eine Katze aus dem Nichts angerannt kommt. So auch unsere jüngere Hündin.

Erster kurzer Spaziergang in Istanbul

Da wir spät nachmittags angekommen sind, haben wir uns auch gleich die Hunde geschnappt und einen Testspaziergang in Kombination mit der Suche nach Abendessen gemacht. Also sind wir kurzerhand zu Fuß mit beiden Hunden los.

Gleich hinter dem Stellplatz liegt ein für Istanbul typisches und sehr untouristisches Wohn- und Marktviertel. Abends wurden die Straßen zwischen den Gebäuden zum Markt umgebaut, es war voller feilschender Menschen und überall standen kleine fahrbare Garküchen. Da wir in einem sehr untouristischen Viertel waren, waren auch die Einheimischen dort so gar nicht an Hunde an der Leine gewöhnt, schon gar nicht an Größere. Viele sind uns schon von weitem ausgewichen oder sogar erschrocken zur Seite gesprungen. Das ist uns in der ganzen Türkei fast überall des Öfteren passiert. Aber auch kein Wunder, schließlich werden Hunde dort ganz anders gehalten als bei uns (meistens als Schutzhunde für Grundstück und/oder Herde) und es gibt superviele Straßenhunde, die bei den Einheimischen nicht besonders gerne gesehen sind.

Wir haben uns aber nicht beirren lassen und sind souverän weiter, haben unsere Hunde aber auch nicht an den Menschen schnüffeln lassen, also kurze Leine und weiter ging es. Da der Markt recht viele Menschen angelockt hat und es voll war, waren unsere Hunde dementsprechend nervös und haben an der Leine gezogen, aber die Rute war noch aufrecht und sie haben keinen negativen Eindruck gemacht. Also ging es weiter.

Die Abendessensuche stellte sich als gar nicht so einfach heraus, da es auch unser erster Abend mit Essen außer Haus war, und wir noch nicht so recht wussten, was was ist. Schlussendlich hat uns aber ein Einheimischer eingesammelt, als wir verloren und verwirrt vor einem Imbiss standen, und uns eingeladen, dort zu Essen. Rein durften wir mit Hund selbstverständlich nicht, das haben wir aber auch so erwartet. Generell wurden wir manchmal auch leicht negativ beäugt, wenn wir uns mit den Hunden an die Tische draußen vor einem Imbiss gesetzt haben. Da wir aber wegen der Temperaturen die Hunde nicht im Auto lassen konnten haben wir uns davon nicht beirren lassen. Verjagt hat uns nie jemand. Man muss nur dann auch darauf gefasst sein, dass sich in der Nähe von Restaurants oder Imbissen immer viele Straßenkatzen tummeln.

Der Einladung des Einheimischen gefolgt, haben wir uns vor dem Imbiss auf zwei Stühle gesetzt, die Hunde haben unter dem Tisch ein Platz bekommen und wir haben erstmal erfragt, was es überhaupt zu Essen gibt, da wir uns noch immer etwas verloren gefühlt hatten. Wir haben auch dann erst festgestellt, dass der Einheimische selbst nur zu Gast im Imbiss war, und waren total überrascht von der netten Gastfreundschaft und Hilfe der Türkei, von der wir zuvor schon so viel gehört hatten.

Adana Kebap zum Abendessen in Istanbul

Schlussendlich haben wir beide Adana Kebab bestellt, ein Nationalgericht, welches aus Fleischspießen, gegrillten Tomaten, dünnem Fladenbrot, gegrillten Peperoni und langen gegrillten grünen Paprika besteht. Dazu gibt es immer Hirtensalat aus Gurken, Blattsalat und Tomaten mit etwas Zitrone und außerdem Cig Köfte, eine Paste aus Rindfleisch und Kräutern, die in ein Salatblatt eingewickelt und mit etwas Zitrone beträufelt wird. Mit Getränken haben wir zusammen gerade mal 8 EUR bezahlt, die Portionen waren riesig und es war einfach nur köstlich.

Auf dem Rückweg sind uns kurz vor dem Stellplatz zwei Straßenhunde begegnet. Nichts untypisches für die Türkei, aber immer etwas blöd, weil da nunmal kein Besitzer kommt, der die Hunde zurückruft. Zudem sind manche Straßenhunde auch Revierverteidiger, was unschön enden kann. Ich habe mich bei solchen Begegnungen, wenn ich festgestellt habe, dass der Straßenhund gezielt auf uns zukommt, immer vor meinen Hund gestellt und möglichst groß gemacht, um zu signalisieren, dass ich nicht möchte, dass der Hund näher kommt. Meistens klappt das gut, falls nicht, bin ich auch mal laut geworden. Traurigerweise sind die meisten Straßenhunde recht ängstlich, was Menschen betrifft, und suchen dann das Weite. Das ist zwar alles in allem nicht schön, aber was will man sonst tun, wenn man nicht möchte, dass der Straßenhund zu einem kommt …

Zu Fuß Richtung Grand Bazar mit Hund

Am nächsten morgen sind wir früh aufgebrochen Richtung Zentrum, da wir den ersten Versuch mit Hund am Vorabend für in Ordnung befunden haben. Auf dem Plan stand der Grand Bazar und der zentrale Park rund um die beiden Gebetshäuser Sultan-Ahmed und Hagia Sophia.

Auf dem Weg zu Fuß zum Grand Bazar sind wir recht schnell auf ein neues Problem gestoßen: nämlich, dass die Roller auch durch die engen „Fußgängergassen“ fahren, und dass viele Lieferanten, die Waren bringen, recht schnell zu Fuß mit kleinen Karren unterwegs waren. Und beide auch noch sehr rücksichtlos und flott. Vor allem die Karren waren für unsere Hündin neu und sie ist immer wieder erschrocken zurück gesprungen, das hat sich aber im Laufe des Morgens gelegt, nachdem ich ein paar mal etwas abseits stehen geblieben bin, damit sie sich das Ganze mit etwas Abstand anschauen konnte.

Das wir in den Grand Bazar nicht mit Hunden reindürfen war uns von vorneherein klar, und das sind wir auch gewohnt. Vor dem Grand Bazar gibt es einen großen Platz mit vielen Sitzmöglichkeiten, dort hat einer von uns beiden dann mit den Hunden ein Päuschen gemacht, und der andere ist über den Bazar geschlendert. Danach haben wir dann getauscht. Interessanterweise bin ich danach mit fünf verschiedenen Gewürzsorten, Tee und Süßigkeiten zurückgekehrt. Sebastian mit leeren Händen. 😀

Am Eingang habe ich den Security-Beamten auch einfach mal blöd gefragt, ob wir unsere Hunde hätten mit rein nehmen dürfen. Tatsächlich hätten die beiden mit Maulkorb mitkommen können, aber ich schätze, das hätten wir unseren Hunden trotzdem erspart, da der Bazar super eng und voller Menschen war.

Nach dem Grand Bazar Besuch haben wir uns erstmal draußen vor ein kleines Café gesetzt und einen türkischen Kaffee zur Stärkung genossen. Hier haben wir sogar eine Flasche stilles Wasser und ein Schälchen für unsere Hunde dazu bekommen.

Da Istanbul vor Straßenkatzen nur so wimmelt, stellen viele Ladenbesitzer für die Katzen Schalen mit Wasser vor ihr Geschäft. Das ist auch uns zugute gekommen, da unsere Hunde überall trinken konnten.

Weiter Richtung Sultan Ahmed Park mit Hund

Nach der Stärkung sind wir zu Fuß weiter Richtung Sultan Ahmed Park, das große Parkgelände rund um die beiden Gotteshäuser Sultan Ahmed Moschee und die Hagia Sophia.

Das gesamte Gelände war an diesem Tag umzäunt, so dass alle Besucher durch ein Sequrity-Zelt mit Kontrolle mussten. Wir befürchteten schon, dass man uns mit den Hunden gar nicht auf das Gelände lassen würde, dem war aber nicht so. Das Gelände ist riesig, überall gibt es Springbrunnen, Bänke und Wiesen, immer mit Blick auf die beiden über Istanbul thronenden Gebäude. Dazwischen ein paar Stände mit gerösteten Kastanien oder kalten Getränken. Uns hat es da sehr gut gefallen!

Unsere Hunde sind im Sultan Ahmed Park irgendwie gleich zum Touristenmagnet geworden, viele kamen und wollten die Hunde streicheln, einfach nur Hallo sagen oder sogar ein Selfie mit Hund machen. Da ich immer neugierig bin habe ich immer gefragt, woher die Leute kamen, es waren aber auch diesmal alles keine Einheimischen. Von Dubai, der Karibik oder auch Pakistan waren alle möglichen Nationalitäten dabei. Irgendwo da draußen muss jetzt ein TikTok Video mit Sam existieren. 😀

Die Sultan Ahmed Moschee war zu unserem Besuch leider von außen in ein Baugerüst verpackt, da sie von außen renoviert wurde. Die Schlangen vor beiden Gebäuden waren sehr lang, so dass wir uns dagegen entschieden haben, einzeln reinzugehen. Stattdessen haben wir die Sonne auf dem Gelände genossen, zumindest so lange, bis die im Park lebenden Straßenhunde auf uns aufmerksam wurden, welche optisch und größentechnisch eher in Richtung Kangal gingen. Da sind wir dann doch weitergezogen und haben uns einen Platz für ein spätes Mittagessen gesucht.

Mante zum Mittagessen in Istanbul

Und obwohl wir ein Restaurant wählten, dass kurz vor dem Sultan Ahmed Park lag, haben wir auch diesmal wieder weniger als 15 EUR für zwei Hauptspeisen und Getränke bezahlt. Für mich gab es Mante, türkische Teigtaschen mit Füllung, ähnlich wie Maultaschen, und Knoblauchjoghurt oben drüber. Eines meiner absoluten Favoriten in der Türkei!

Zurück im Sultan Ahmed Park wurden wir angesprochen, ob wir eine Bootsfahrt im Sonnenuntergang machen möchten. Da ich mich ungerne anquatschen lasse habe ich direkt als Argument gebracht, dass wir ja zwei Hunde dabei hätten. Worauf ich nicht vorbereitet war, war, dass das gar kein Problem sei. Also haben wir uns überreden lassen. Boot fahren kannten die beiden und todmüde vom vielen Laufen waren sie sowieso.

Auf dem Boot angekommen haben wir einen Platz im Innenraum gewählt, da es draußen abends dann recht windig war. Unsere beiden Hunde waren so kaputt vom Tag, dass sie sich direkt unter den Tisch gelegt haben und eingeschlafen sind. Dabei ist es die ganze Fahrt über auch geblieben. Schlussendlich können wir eine Bootsfahrt im Sonnenuntergang in Istanbul jedem empfehlen, auch wenn ich mich erst rausreden wollte. Es war wirklich herrlich, der Blick auf all die Minarette hinter dem rosafarbenen Himmel und auf dem Rückweg all die Lichter in der Stadt!

Istanbul mit Hund: Ein Fazit

Wir haben es der Hunde wegen bei einem Tag Stadttour durch Istanbul gelassen und sind am nächsten Morgen wieder raus aufs Land gefahren. Wir würden aber ein Tour in ähnlichem Umfang jederzeit wieder machen, da unsere Hunde gerne laufen und gerne unterwegs sind und es im großen und ganzen gut geklappt hat.

Ich empfehle eine Städtetour durch Istanbul aber nur, wenn es sichere Hunde sind, die auch gerne lange unterwegs sind. Da es überall laut und trubelig ist und immer wieder Roller oder Rikschas unvorhergesehen aus allen Richtungen kommen oder Menschen, die Angst vor größeren Hunden haben, erschrocken zur Seite springen, schätze ich, dass das nichts für unsichere oder ängstliche Hunde ist.

Tags: Hund, Türkei

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